Büdingen

Büdingen

Eine hessische Mittelstadt ca. 40 km östlich von Frankfurt a. Main am Südwesthang des Vogelsberg. Mit ~7 800 Einwohner und einer Fläche von 44,25 km².  Bis 1972 war Büdingen Kreisstadt. Durch die Gebietsreform wurden 16 Orte eingemeindet und die Einwohnerzahl stieg auf ~ 22 000.  Büdingen, bis 1972 Kreisstadt, war und ist überregional durch seine  mittelalterlichen Altstadt mit Schloss und seiner  besterhaltenen Stadtanlagen Europas als touristisches „Highlight“ bekannt.

Ein Stück Mittelalter, gezeigt von seiner attraktivsten Seite“, sagte Albert Einstein während eines Besuches 1952.

Die Stadt in der Wetterau bietet ihren Bürgern nicht nur historische Bauwerke, sondern Schulen Museen, Theater, Freizeitanlagen, ein riesiges Naherholungsgebiet usw. und zahlreiche Arbeitsplätze gibt es im großen Gewerbegebiet.

Graf Ludwig II verhalf seinem Bruder zur Wahl zum Erzbischof von Mainz und Erzkanzler des Reiches 1459-61 und 1475 – 82. Diese Verbindung machte sich bezahlt, Büdingen erhielt einen zentralen Gerichtshof, der Graf erhielt das Amt als Forstmeister des Büdinger Waldes. Es entfaltete sich eine Bautätigkeit von großem Ausmaß. Es entstand die Festungsanlage mit 22 Türmen und viele Gebäude zwischen 1480 – 1510.

Die ersten Besiedlungen waren zu Beginn des 8. Jh als ein fränkischer Grundherr in Anlehnung an sein Herrenhof eine hölzerne Eigenkirche errichtete. Im Jahre 847 wurde Büdingen in der Wormser Bischofschronik erwähnt. Der Ort liegt in einem sumpfigen Tal, umgeben von einer Hügellandschaft. Auch heute noch fließt ein Bach durch Büdingen und Schloss und Altstadt mussten einst auf Eichenholz Pfahle gegründet werden.

Von den Herrn zum Fürstenstand

Im Jahre 1131 wurden die Herrn von Büdingen, ein mittelalterliches Adelsgeschlecht mit riesigem Waldbesitz, erstmals urkundlich erwähnt. Hartmann I von Büdingen wurde 1140 Vogt und Burggraf der Pfalz Gelnhausen. Gerlach II hatte keinen männlichen Erben und so erlosch diese Linie. Aber Ludwig von Ysenburg-Kempenich heiratete die Erbtochter von Büdingen (1240 und vor 1247) und es gelang ihm, das ehemals in 5 Teile zerfallene Erbe der Herren von Büdingen in seinen Besitz zu bringen.

Kaiser Ludwig der Bayer verlieh am 26.Juli 1330 Luther von Ysenburg, Herrn zu Büdingen, für seine Stadt das Marktrecht.

1353 übergab Heinrich II, Herr zu Büdingen, seine Stadt den großen „Freiheitsbrief“ (Stadtverfassung). Nun eigenverantwortlich für den Schutz ihrer Stadt wurden die Schützen organisiert. Die Büdinger Schützengesellschaft bezieht sich auf dieses Gründungsdatum.

1442 Dieter I,  Herr von Büdingen wurde von Kaiser Friedrich III zum Grafen erhoben.

1806 wurde die Grafschaft Ysenburg-Büdingen dem Fürstenstand Isenburg-Birstein einverleibt.

1816 auf dem Wiener Kongress wurde das Fürstentum Isenburg zwischen dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt und dem Kurfürstentum Hessen-Kassel geteilt, die Stadt Büdingen kam zu Hessen-Darmstadt.

1840 wurde Graf Ernst Casimir I (1781-1852) großherzoglich-hessischer Brigadegeneral durch Dekret des Großherzogs in den erblichen Fürstenstand erhoben.

Seit 1990 ist Wolfgang-Ernst zu Ysenburg – Büdingen (* 1936) der derzeitige Fürst.

Da sich die Isenburger  in mehrere Linie aufteilen z.B. die Birsteiner, und damit man sie Besser unterscheiden kann schrieben sich die Büdinger seit längerem Ysenburger.

Erwähnenswerte Ereignisse in der Stadt

 Von 1532 – 1699 wurden 465 Menschen der Hexerei angeklagt, über 400 wurden hingerichtet.

1576 und 1632 raffte die Pest viele Bewohner dahin. 1590 zerstörte ein Großbrand  48 Wohnhäuser nebst Scheunen.

1634 nahmen   kaiserliche Truppen (Kroaten) Büdingen ein, vertrieben die Schweden und hausten übel in der Stadt.

1601 gründete Graf Wolfgang Ernst die Lateinschule, das heutige Wolfgang-Ernst-Gymnasium.

1724 entstand die Vorstadt, in der sich Glaubensflüchtlinge z.B. Hugenotten und Waldenser ansiedelten. Infolge von Streitigkeiten mit der gräflichen Verwaltung zu Büdingen verließen diese 1750 das Land.

1839 wurde die Handwerkerschule gegründet (später Gewerbeschule)

1867 entstand das Mathildenhospital.

1936 wurde Büdingen Garnisonsstadt.

Schloss

Die Herren von Büdingen (1131), die auch das Burggrafenamt in der 12 km entfernten Kaiserpfalz Gelnhausen ausübten, galten als treue Anhänger der Staufer und waren Oberforstmeister im Büdinger Reichswald sowie Leheninhaber der Wildbannrechte. Es ist anzunehmen, dass zu dieser Zeit schon Teile einer Befestigungsanlage bestanden. Die Kernburg aus dem 12. Jh ist seit ihrem Bestehen mehrmals um- und ausgebaut worden. 25 Generationen von Besitzer planten und errichteten nach ihrem Geschmack und Bedürfnissen eine Anlage, die sich heute als 13 eckiges Ensemble darbietet. Das Gestein besteht aus Buckelquadern. Zu der frühen Anlage gehören noch der mächtige Stauferpalas und Teile der romanischen Burgkapelle. Der mächtige Bergfried stammt aus der Mitte des 13. Jh, Höhe 25,80 m Durchmesser 10,60 m.  Über der romanischen Kapelle ließ Graf Ludwig II eine gotische errichten, die er mit vielen Kunstwerken ausstattete.

Was als Wasserburg im 12. Jh begonnen wurde, vereinigt Kunststile von der Romanik bis zum Barock und wird bis heute von der Fürstenfamilie zu Ysenburg-Büdingen bewohnt.

Schlosskapelle

Das Chorgestühl der Schlosskapelle

Das Schnitzwerk im Chorgestühl

Graf  Ludwig II. ließ zwischen 1495 und 1499 die Schlosskapelle im spätgotischen Stil errichten. Als Glanzstück der Ausstattung hat sich das Chorgestühl aus Eichenholz erhalten, das der Kapelle den Chrakter eines Kostbaren Schreins verleiht. In seinem Schnitzwerk begegnet uns die Fromme und zugleich Bizarre Bilderwelt des Spätmittelalters, in der sich Heiligendarstellungen mit verkrümmten Tierleiber, den Sinnbildern dämonischer Kräfte, abwechseln. Zwei Wormser Bildschnitzer haben das Werk 1497-1499 geschaffen.

 Kanzel mit Kragstufentreppe

Im reformierten Geist wurde 1610 die Sandsteinkanzel zur Predigt und Schriftenverkündung errichtet, ein reifes Werk des Steinmetzen Conrad Büttner von Büdingen. Büttner hatte ausreichend Erfahrung mit dieser Art von Treppe. Die Stufen werden in diesem Fall in der Wand eingespannt und kragen frei aus.

St. Remigiuskirche

Zu Beginn des 8. Jh errichtete ein fränkischer Grundherr in Anlehnung an seinen Herrenhof eine hölzerne Eigenkirche, die er zu Ehren des fränkischen Reichsheiligen  St. Remigius, Bischof von Reims (um 496 n. Chr.), weihen ließ. Sein Verehrung und seine Schutzherrschaft verbreiteten sich während der fränkischen Landnahmezeit sehr rasch im Eigenkirchenwesen des fränkischen Adels. Im 9. Jh wurde das Gotteshaus durch einen saalartigen Steinbau ersetzt. Um 1047 wurde das Westquerhaus (links im Bild) errichtet. 1050 wurden beide Baukörper zur heutigen Höhe aufgestockt, die  ältere Fenster und Portale vermauert und im Westteil eine Treppe eingebaut.

Dieser T-förmiger Grundriss weist auf eine Fiskalkirche hin. Das bedeutet, dass ein Amtsträger die Interessen des Kaisers oder Landesherrn zu vertreten hatte. Als solche kommen die Herrn Hartmann, Vorfahren der Herrn von Büdingen, in Frage.

Im Inneren des Gebäudes wird das Westquerhaus und Langhaus durch mächtige Säulen getrennt, auf der die Scheidewand ruht. Beachtenswert sind die beiden erhalten gebliebenen Würfelkapitelle mit ihren Basen und Kämpferplatten, die in ihrer klaren Formensprache denen vom Münster in Essen und der Michaeliskirche in Hildesheim in Nichts nachstehen.

Im 14. Jh, nachdem die Kirche dem ysenburgischen Hauskloster Marienborn eingegliedert worden war, ersetzte man die halbrunde Apsis im Osten durch einen Rechteckchor. Die T-förmige Gesamtanlage des Kirchenbaus entspricht, wie es scheint, einem besonderen Bautyp der ottonischen Zeit des ausgehenden 10. Jh.

Nach einer heftigen Zerstörung zu Beginn des 15. Jh errichtet man an Stelle der Westempore mit der steinernen Arkadenwand die heute noch erhaltene hölzerne Hufeisenempore. In der Mitte des 17. Jh wurde es notwendig, die Unterzüge zu unterstützen, weshalb man die beiden mächtigen Eichenholzsäulen in den Raum stellte. An den beiden Spannriegeln lesen wir: Vitus Baur, Praesentarius Anno 1655. Sebastian Kraus, Zimmermann Anno 1665.

Die ursprüngliche Pfarrkirche Büdingens wurde 1495 durch die Marienkirche in der Stadtmitte neben dem Schloss abgelöst.

Oberhof

Treppenantritt EG

Eingang im ersten Obergeschoss

Der Oberhof  mit einer Hofanlage ist zur Zeit der Renaissance als Witwensitz von Graf Georg zu Isenburg und seiner Frau Barbara Gräfin von Wertheim 1569/70 von Baumeister Conrad Leonhard errichtet worden.

Der fünfeckige vorgesetzte Treppenturm in Ziegelbauweise hat einen achteckigen aufgesetzten Helm in Fachwerkbauweise. Das innere Gehäuse ist kreisrund ausgeführt.

Die Hohlspindeltreppe mit einem gesamten Durchmesser von 368 cm  besteht aus Sandstein. Mit 162 cm Laufbreite ist der Aufgang sehr herrschaftlich gewählt. Blickt man durch das Treppenauge von 20 cm, so erkennt man eine Rosette am Treppenabschluss,  die an einem Überdeckungsstein montiert ist. Der wandseitige Stufenauftritt liegt bei ~55 cm, der innere Auftritt ist konstant bei 9 cm, der Untertritt beträgt 7 cm. Auf 360 Grad sind 21 Stufen eingeteilt und mit 18,2 cm Steigung lassen sich die 3 Stockwerke mit insgesamt 73 Stufen angenehm bewältigen. Einen Handlauf gibt es erst seit etwa 600 Jahren, zuvor hatten die Menschen die Fähigkeit, Treppen ohne eine Haltevorrichtung zu besteigen. Einen Handlauf gibt es erst seit 600 Jahren. Zuvor hatten die Menschen die Fähigkeit Treppen ohne Haltevorrichtungen zu besteigen. Als Baumeister gelang, Treppen mit Profielen auszuschmücken stellte man fest, dass man sich daran festhalten konnte. Im Bild links befindet sich ein Wulst, der 11 cm in den Raum ragt und eine Gesamthöhe von 9 cm aufweist. Auch im Treppenauge ist ein Wulst von 6 cm.

Ein Blick durch das Treppenauge, von unten nach oben

Der Überdeckungsstein mit der Rosette, in der das Zeichen „Z r“ eingraviert ist,

 wahrscheinlich ein Steinmetzzeichen

Dreißigjähriger Krieg (1616-1648)

Die Büdiniger bekamen 1622 einen ersten fühlbaren Kontakt zu spüren, als der kaiserliche Kriegskommissar von Effern im Auftrag des Heerführers Sinolas 20 000 Reichsthaler = 50 000 Gulden Kriegssteuer, 200 Achtel Hafer und 250 Wagen Heu verlangte, von Kaiser und Spinola wurde versprochen, dass das Ysenburger Land bis zum Eintreten des Landfrieden geschützt werden sollte. Zu dieser Leistung war das Land kaum in der Lage, da es bereits durch Einquartierungen und  Durchzüge einen Schaden von über 50 000 Gulden zu verzeichnen hatte. Von nun ab brachen die Einquartierungen nicht mehr ab. Nöte, Ängste und Schrecken ließen auch das Büdinger Land zur Einöde werden. Wenn auch die Ysenburger anfangs neutral waren, so wurde ihr Land doch nicht verschont, denn Einquartierungen, Durchmärsche und Fouragelieferungen blieben weder aus noch rissen sie ab. Mit dem Eintritt Schwedens in den Krieg änderte sich die Lage. Die Söhne des hochangesehenen Graf Wolfgang Ernst I traten auf die Seite Gustav Adolfs. Nach dessen Tode hatte die Grafschaft sehr zu leiden. Ganze Dörfer wurden entvölkert und die letzte Habe der wenigen zurückgebliebenen Bewohner vernichtet. In Büdingen setzte die unheilbringenden Hexenprozesse ein. Zwar waren bereits im 16. Jh Frauen als Hexen verklagt und 1632 von elf Angeklagten neun hingerichtet worden, doch die Jahre 1633/34 stellten alles in den Schatten. Von 118 beklagten Personen entgingen nur vier dem schändlichen Tod. Zu all dem Elend kam 1635 noch die Pest, die 512 Tote forderte. Nicht lange danach wurde die Grafschaft und auch die Stadt Büdingen als verwirktes Reichslehen eingezogen und bis 1643 der Landgrafschaft  Hessen Darmstadt unterstellt. Von den einst 1600 in Büdingen lebenden Bewohner wurden bei Friedensschluss nur noch knapp 400 gezählt. Die Felder, Gärten und Weinberge waren zum größten Teil verwüstet, Stadtmauern, Pforten und Tore  stark zerfallen, die gebliebenen Gebäude in der Stadt in denkbar schlechtem Zustand, die meisten kaum noch bewohnbar.

Die Siedler          

    

Im großen Saal eines der verbliebenen Gebäude, ist ein Plan von der gesamten  Anlage auf einer Wandtafel festgehalten

 

Nur schwer konnte sich Büdingen von all den Schicksalsschlägen erholen. Noch zu Beginn des 18. Jh lagen ganze Stadtteile nieder. Die Brände von 1590 und während des Krieges hatten zu große Lücken in den Häuserbestand gerissen. Daher rief 1712 Graf Ernst Casimir I durch sein bekanntes Toleranzedikt zur Ansiedlung auf. Gewissensfreiheit, unparteiische Justiz, Freiheit von Fronden und Leibeigenschaft, freies Bau- und Brennholz wurde den Ankömmlingen neben vielen anderen Vergünstigungen zugesichert. Das Ergebnis blieb nicht aus. Bis 1725 entstand, nachdem die Baulücken innerhalb der Mauern geschlossen waren, ein neuer Stadtteil vor dem Jerusalemer Tor, die Vorstadt. Unter den Neusiedlern, die aus allen Herren Ländern kamen, waren Sektierer, Waldenser und Brüdergemeinde. Unweit der Stadt, auf dem Haag, entstand eine Ansiedlung der Herrnhuter Brüdergemeinde. Graf Zinzendorf war 1736 in das Büdinger Land gezogen, bezog zunächst die Ronneburg und gründete wenig später mit seinen Glaubensbrüdern die Mustersiedlung Herrnhaag. Es entstand ein großer Gebäudekomplex mit ausgedehnter Gartenanlage, der teilweise heute noch steht. Rasch entwickelte sich ein blühendes Gemeinwesen mit vorbildlichem Handwerk und Musterbetrieben aller Art. Die Herrnhuter brachten Glaubensbrüder aus vielen Ländern der Erde mit. Von 1736 bis 1772 wurden 429 Gemeindeglieder auf dem Gottesacker bestattet.

Zwei Gebäude aus der Entstehungszeit (z.Zt. renoviert)

Das großzügige Toleranzedikt, das Graf Casimir den Siedler entgegen brachte, kam bei den Alteingesessen nicht gut an. Größere Aufstände gegen die gräfliche Verwaltung waren die Folge und die Neusiedler mussten 1750 das Land wieder verlassen. Viele dieser Siedler wanderten nach Amerika und in andere Länder aus.

 

Untertor (Jerusalemer Tor im Volksmund)

 Ansicht des Jerusalemer Tores, von der Neustadt

Die Doppeltoranlage wurde 1503 im Zuge der Stadtmauer errichtet. Dieses imposante Bauwerk ist auch das Wahrzeichen von Büdingen und verbindet die Vorstadt mit der Altstadt. Nach einer Überlieferung brachte ein Sohn des Grafen, der auf einer Pilgerreise nach Jerusalem war, diesen Entwurf mit.

Eine Sandrose

Da diese Türme ungenutzt waren, hat der Geologe Lothar Keil die Räume zu einem Museum ausgebaut: das Sandrosen-Museum. In diesen Räume sind geologische Kostbarkeiten aus der Vorzeit der Erdgeschichte von Lothar Keil zusammengetragen worden. Das große Nordmeer, dessen Ausläufer vor 30 Millionen Jahren durch das Gebiet der heutigen Wetterau schwappten, und der Vulkan, dessen Magma den Vogelsberg modelliert hat, haben der hiesigen Region ein Wunder der Natur beschert, die sogenannten Sandrosen. Sandrosen sind Kristallgebilde in unterschiedlichen Formen und Farben. Durch Ausfällung von Schwerspat (Baryt) aus hochmineralisierten Lösungen in den Sanden wurden die umgebenden Sandkörner mit eingeschlossen und es entstanden die bizarren Formen, die an Rosen erinnern. Neben besonders schönen Exponaten werden in Großfotos auch die Fundstätten gezeigt.

Die Spindeltreppe in den Türmen des Jerusalemer Tor bestehen wie die gesamte Festungsanlage aus Sandstein.

Stufen                   40

Gewendelt            rechts

Durchmesser     177 cm

Laufbreite            82,5 cm

Spindel                12 cm

Stufe Wandseite  34 cm

Steigung               22,5 cm

Unterschneidung   4 cm

auf 360 Grad       16 Stufen

 

 Burg Ronneburg

Südseite, Bauzeit 16. Jh

 

Westseite, Bauzeit 16. Jh

Graf Anton v. Ysenburg (1501-1560)

8 km südwestlich von Büdingen steht auf einem 200 m hohen Basaltkegel die Burg Ronneburg. Der Bauherr war möglicherweise Gerlach I von Büdingen um 1220, Vater von dem legedären Gerlach II der den Staufer sehr nahe stand. Die Burg diente zur Sicherung des Territoriums, sie liegt unweit des  mittelalterlichen Handelsweg, der Via Regia. Diese Ostwestachse war eine Verbindungroute von Kiew nach Paris, zu deren Überwachung die Burg genutzt wurde. Das Gebäude wechselte sehr oft die Besitzer. 1476 überschrieb der Mainzer Erzbischof  Diether von Ysenburg das Anwesen seinem Bruder, dem Grafen Ludwig II von Ysenburg – Büdingen, der sie zunächst als Nebensitz nutzte. Auf  Philipp von Ysenburg folgte sein Sohn Anton, der auf der Burg sesshaft wurde und als wehrbare Burg umbaute. Unter seiner Regierungszeit entstand der Wehrturm, Vorratskammer, der neue Turmhelm, der äußere Torbau, Ställe für Pferde, BurganlageSchlachthaus, Geschützturm und Gefängnisturm. Nach seinem Ableben übernahm Sohn Wolfgang v. Ysenburg- Ronneburg die Burg. Wolfgang verwandelte die Burg zu einer Residenz, in den Zustand etwa wie sie heute dasteht. Wolfgang, der eine sehr gute Ausbildung genoss, hatte sich in der großen Politik einen Namen gemacht. Er gehörte 1573 zum Geleit des neu gewählten polnischen Königs Heinrich III von Valois und nahm als Beauftragter Kaiser Maximilians an dessen Krönung in Krakau teil. Beim Begräbnis von Kaiser Maximilian zu Prag 1576 trug Wolfgang die Reichsfahne voran. Trotz drei Ehen gebar nur die erste Frau einen Sohn, der nach 2 Monaten verstarb. Mit 64 Jahren verstarb auch Wolfgang 1597 und  sein Bruder Graf Heinrich übernahm die Burg, als auch Heinrich kinderlos verstarb, erlosch die Linie wieder. Die Burg diente weiterhin als Witwensitz. 1621 kam es zu einem Brand, bei dem große Teile der Burg zerstört wurden. Im Dreißigjährigen 1634 plünderten kroatische Reitertruppen die Gebäude. Ab 1700 ließen sich protestantische Exilanten auf der Burg nieder, die allerdings 50 Jahre später Burg und Land verlassen mussten. In der Folgezeit wurde die Ronneburg von verschiedenen Pächtern bewohnt. Im Jahr 2004 Der Bergfried war das erste Bauwerk von der Burganlageverkaufte Wolfgang Ernst Fürst zu Ysenburg- Büdingen an die Forfin GmbH. Durch mittelalterlich angebotene Gastronomie und wöchentliche Events ist die Burg ein Anziehungspunkt für Besucher und weit über die Grenzen des Landes bekannt und beliebt.

Der Bergfried hat eine Gesamthöhe von 30 m, inklusiv des 8 m hohen Renaissancehelm. Das rechts neben dem Bergfried stehenden Gebäude mit dem Eingangsportal und die dahinterliegende Spindeltreppe, die zum eigentlichen Bergfried Eingang führt, stammt  aus den Jahren 1576-1581.

Die Spindeltreppe lastet auf 3 Stützbögen

Der Bergfried, als erstes Bauwerk auf der Anhöhe, war die letzte Zufluchtsstätte der Burgbewohner. Der Eingang lag immer zwischen 3-4 m und war nur mit Leitern zu erreichen. Der untere Bereich war das Verlies. Die Fenster hatte der Heimatverein vor ein paar Jahren eingesetzt. Bevor die Spindeltreppe Ende des 16. Jh eingebaut wurde, war die Turmspitze nur mit Strickleitern erreichbar, die bei Gefahr eingezogen wurden.

Die  Spindel der Haupttreppe im Turm ruht auf drei freitragenden Stützbögen. Das darunter befindlich ehemalige Verlies ist z. Zt. verschlossen, nur ein Sandsteinrahmen erinnert daran. Der Durchmesser der Spindeltreppe im unteren Bereich beträgt 275 cm im oberen Bereich  300 cm, da sich die Mauerdicke verjüngt.

Der Spindel Ø beträgt 20 cm. Die Stufen auf der Außenseite haben einen Auftritt von ca. 45 cm.

Auf 360 Grad sind 20 Stufen eingeteilt. Die Steigung beträgt 17 cm.

Das Material besteht aus heimischem Sandstein.

Am Treppenantritt ist die Öffnung des ehemaligen Verlies sichtbar in Sandstein eingefasst

 Der Glauberg

              

Der Keltenfürst vom Glauberg (ca. 500 v. Chr.)

Ca. 7 km von Büdingen in westlicher Richtung  entfernt liegt der Glauberg (Höhe 276 m ü. NN), ein Basaltausläufer des Vogelsberg, Das Plateau mit einer Länge von etwa 800 m und einer Breite von 80 m bis 200 m war eine keltische  Siedlung, genutzt vom 6. Jh v. Chr. bis zur Zeitenwende. Bei Ausgrabungen zwischen 1994-1997  wurde ein sehr bedeutender Fund zutage gefördert: die Grabanlage eines  Keltenfürsten aus dem 5. Jh vor Chr. und reich ausgestattete Gräber dreier keltischer Krieger, das auf die gehobene Stellung der Verstorbenen hindeutet. Neben den eigentlichen Grabanlagen war die Entdeckung einer Steinfigur eine weitere Sensation. Die bis auf die Füße erhaltene Statue ist mit einer haubenartigen Kopfbedeckung versehen, die als Mistel- Blattkrone gedeutet wird und als Grabbeigabe gefunden wurde. Auf dem Sockelboden ist die Mistel dargestellt. Da die Mistel laut antiker Autoren bei den Kelten eine wichtige kultische Bedeutung besaß, mag das auf die Bestattung eines Priester hinweisen.

Schnabelkannen                                    

Halsreif in Gold

 

Das ein Leben auf dieser Hochebene solange möglich war liegt auch an der Wasserversorgung, die durch einen kleinen Weiher erfolgte, der sich durch Oberflächenwasser füllte.

Zur Zeit der römischen Besatzung 1.- 3. Jh wurde die

Besiedlung aufgegeben, möglicherweise durch die Nähe zum 4 km entfernten Limes und Kastell Altenstadt.

Auf Grund der bedeutendsten Fundstücke aus den Gräbern, ein goldener Halsreif und eine keltische Schnabelkanne, hat das Land Hessen 2007 den Bau eines Museums in Auftrag gegeben, das am 5.Mai 2011 eröffnet wurde.

Das Museum mit Forschungszentrum wurde 2011 eröffnet

Ein Blick in die Landschaft von der Aussichtsplattform, im Vordergrund der Grabhügel  des Keltenfürsten 

Das Architekturbüro kadawittfeldarchitektur in Aachen plante das imposante Gebäude im derzeit aktuellen Stil. In dem ebenerdigen Eingang befindet sich eine Cafeteria  und man kann beim Verweilen die schier endlos schöne Landschaft genießen. Die eigentlichen Ausstellungsräume befinden sich im Obergeschoß, das über eine Treppe erreichbar ist. Die 3.30 m breite Sichtbetontreppe wurde im derzeit üblichen Stil gefertigt, nach 18 Stufen ist ein Podest angelegt worden, das sich im Bereich der Decke befindet und somit einen optisch guten Eindruck hinterlässt. Das Steigungsverhältnis der Treppe besteht aus 16 cm in der Höhe und 54 cm im Auftritt. Für Jugendliche mit viel Energie ist es kein Problem, die Treppe mit insgesamt 25 Stufen zu überwinden. Herrschaften mit einem erfahrenen Lebensabschnitt ist es eine Qual, die Treppe zu steigen. Seit weit über 300 Jahren hat Francois Blondel in seinem Buch „Cours ď Architecture“ ein Steigungsverhältnis von 2s+ a = 63 cm vorgeschlagen, das heute unter anderen in der DIN 18065 Gebäudetreppen  immer noch Bestand hat und auch in Zukunft nicht geändert wird. Wie man solch eine Treppe planen kann, ist mir als Treppenhersteller und Forscher unverständlich. 

 

    Literatur:

Büdingen, Hans – Velte Heuson, Deutscher Kunstverlag München Berlin 1983

Büdingen, Karl Winter, Deutscher Kunstverlag München Berlin 1978

Büdingen, Hans – Velte Heuson, Verlag Wolfgang Weidlich 1974

Wikipedia

 

Aufmaß Oberhof:

Oskar Quintana, Guatemala, 1986

 

Verfasser:

Wolfgang Diehl 2017

 

 

Einwohner

  1. 06.1961       12.330

31.12. 1971       13.474

31.12. 2017        7.600

 

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